Hochwassereinsatz in Dresden (Pirna/ Heidenau)
Donnerstag 15. August 2002
Um 1:45 Uhr erfolgte die Alarmierung der SEG. Nach dem Eintreffen der Helfer am KV Forchheim informierte der KBL
die Helfer über die derzeitige Situation in Dresden. Gegen 4:00 Uhr konnten wir ( sieben Bootsführer der SEG-
Forchheim ) zusammen mit den Helfern der Forchheimer Bereitschaften und der Bergwacht, in Richtung Bamberg abrücken.
Dort angekommen schlossen wir uns dem Konvoi des KV- Bamberg an, und fuhren mit insgesamt 49 Fahrzeugen über Hof in
Richtung Dresden, wo wir um 12:00 Uhr am Bereitstellungsplatz in der Nähe des Flughafens ankamen. Am Abend wurde ein
weiterer Konvoi der gesamten Kräfte aus Ober- und Mittelfranken ( ca. 150 Fahrzeuge), zusammengestellt, der den
Auftrag erhielt nach Pirna zu verlegen. Als wir um 23:30 Uhr das Lager "Sonnenstein" in Pirna erreichten, konnten
wir nach einer letzten Einsatzbesprechung in den Fahrzeugen übernachten.
Freitag 16. August
Um 8:40 Uhr wurde durch die Polizei Pirna ein Schlauchboot zur Evakuierung einer Person angefordert.
Ein Mann wurde aus einem Gebäude, dessen Eingang ca. 1,8m hoch überflutet war mit dem Schlauchboot geborgen.
Öl aus einem ausgelaufenen Heizöltank erschwerte diese Aufgabe zusätzlich. Ein weiterer Einsatzort,
zu dem uns ein Lotse der Pirnaer Polizei führte, war in der Innenstadt, wo der BGS damit beschäftigt
war eine größere Anzahl von Menschen in Sicherheit zu bringen. Spätestens hier, nach Durchfahren von
40- 50cm tiefen Wasser auf einer Länge von mehreren hundert Metern wurde klar, dass unsere beiden Fahrzeuge
für diese Wasserdurchfahrten nicht mehr geeignet waren, da der Wasserstand immer noch anstieg. Wir
erhielten dann vom BGS den Auftrag, mit unserer Mannschaft und zwei leichten Booten nach Heidenau zu fahren,
um dort die Polizei bei weiteren Evakuierungen zu unterstützen. Angewiesener Standort war die Feuerwache Heidenau.
Bei der Anfahrt dorthin wurden wir vom BGS empfangen, der uns zu seinem Bereitstellungsort brachte.
Von dort aus ging es mittels tiefwatfähiger LKW´s ( sie konnten Wassertiefen bis ca. 1,3m durchfahren )
zu den einzelnen Einsätzen. Es wurden zwei Bootsbesatzungen gebildet, die mit zwei, bzw. drei Mann Besatzung
auf die bereitgestellten LKW´s verteilt wurden. Ausgangspunkt war meistens das Rathaus, von dem ab die Straßen
unpassierbar waren. Zusammen mit Beamten des BGS oder der Landpolizei wurden dann ständig Evakuierungs,
Versorgungs,- und Kontrollfahrten durchgeführt. Um 12:30 versuchten wir über den Einsatzleiter des KV-
Forchheim unsere im Lager "Sonnenstein" zurückgelassenen Ausrüstungsgegenstände (Ein Notstromaggregat,
und das SEG- Boot) nachzuholen, welche uns dann um 14:30 nachgebracht wurden. Gegen 17:00 Uhr kam dann die
Anforderung, aus dem Ortsteil "Zschieren" eine Person zu bergen, wohin uns ein Straßendienstfahrzeug (Unimog )
des Bauhofes Heidenau brachte. Zeitgleich wurde ein Schlauchboot mit Besatzung mittels eines BGS- LKW in den Ort
"Leutegast" gebracht. Hier wurde direkt von der Ladefläche des LKW mit dem Boot in einen Hauseingang gefahren
um die eingeschlossenen Bewohner zu bergen. Gegen Abend erreichte die von der Einsatzleitung beauftragte
Ablösung unseren Stützpunkt und wir konnten in unser Quartier zurückkehren, von wo aus wir wieder direkten
Kontakt mit der Einsatzleitung des BRK aufnehmen konnten.Hier erfuhren wir, dass sich zwischenzeitlich eine
eigene WW- Einsatzleitung gebildet hatte, welcher wir sofort unseren Tagesablauf schilderten.
Samstag 17. August
Ab 6:30 Uhr wurde am Bereitstellungsort der WW- Einsatzleitung ca. 400m unterhalb des Lager´s "Sonnenstein"
Bereitschaft bezogen, wo dann um 9:00 Uhr die Anforderung des BGS- Stützpunktes "Heidenau" einging, wieder mit
den vorhandenen Gerätschaften der WW- Forchheim anzurücken. Nach Ablösung der dort arbeitenden Wasserwachten
aus Bamberg und Röthenbach wurden die Versorgungs- und Kontrollfahrten (einige Bewohner des Ortes wollten ihre
Häuser immer noch nicht verlassen) fortgesetzt. Als gegen 15:00 der Wasserstand zu fallen begann, wurden bereits
einige der Schäden sichtbar, die das Hochwasser verursachte. Als gegen Abend dann die Ablösung durch Kräfte der
WW- Schwaben erfolgte, wurde die Situation noch etwas heikler. Unser Einsatzleiter bekam die Information, dass
das Leitungswasser aus den Schadensgebieten in denen wir uns aufhielten nicht mehr benutzt werden darf, da es
vermutlich mit Schadstoffen belastet ist. Diese Nachricht wurde von der WW- Einsatzleitung bestätigt, später
allerdings wieder revidiert. Außerdem erhielten wir Nachricht, das mittlerweile Kastastrophenalarm Stufe IV
ausgelöst wurde, und wir nicht wie geplant am Sonntag abgelöst werden, sondern vor Ort in Bereitschaft bleiben
müssen. Weiterhin erfuhren wir, dass man zuhause, im Kreisverband Forchheim für uns Bekleidung packte, die uns
am nächsten Tag durch Angehörige der San- Bereitschaft Forchheim nach Pirna gebracht werden. So begaben wir uns
nachdem wir wieder im Lager Sonnenstein ankamen zur Einsatzleitung, von der wir dann den Auftrag erhielten, uns
am Sonntagmorgen um 6:30 Uhr wieder Einsatzbereit zu melden.
Sonntag 18. August
Am Morgen erhielten wir dann vom Einsatzleiter des KV- Forchheim die Information, das wir (die gesamten Helfer
des KV- Forchheim), sowie alle Helfer aus dem Bezirk Ober- Mittelfranken, doch die Heimfahrt antreten können,
da Ablösung aus anderen Regierungsbezirken eingetroffen ist. So konnten wir dann um 10:00 Uhr die Heimfahrt
antreten, bei der man merkte das die Strapazen der letzten Tage auch den Fahrzeugen stark zu schaffen machten.
So kam der älteste Teilnehmer ( ein 37 Jahre alter LKW ), des Forchheimer Konvois gerade noch 60km weit, als
ihn ein Kühlerschaden zur Aufgabe zwang. Beim ersten Nothalt konnte ihn der WW- Gerätewart Wolfgang Hohe durch
eine Schnellreparatur noch einmal zur Weiterfahrt bewegen, weitere 20km später war dann aber endgültig Schluß,
und wir mussten das gute Stück zurücklassen. Nach einigen Stunden Fahrt konnten wir dann um 18:00 Uhr in unseren
Kreisverband einrücken, in dem wir von unseren daheim gebliebenen Kameraden mit einem fränkischen Schweinebraten
begrüßt wurden. Nach dem gemeinsamen Essen stellten wir wieder die Einsatzbereitschaft der SEG`s sicher, bevor
wir nach vier Einsatztagen den versäumten Schlaf nachholen konnten.